Referat: Mit dem Zweirad durch China


25. März 2015

 

Seit unserem letzten Lebenszeichen sind wieder ein paar Kilometer unter die Räder gekommen. Obwohl meine Innereien ein ausgeprägtes Eigenleben führten, brachen wir nach einem Ruhetag von Ruoqiang wieder Richtung Osten auf. Bei gutem Wetter und mit viel Wasser ging es wieder in die Wüste. Obwohl ein wenig lädiert, brachten wir es auf 90km und schlugen unser Zelt in einer Kiesgrube auf. Genossen da den herrlich lauen Abend und schauten dem langsam dahinziehenden Wüstenmond zu. Am nächsten Morgen war der Wind recht forsch und wir bereuten, nicht früher aufgestanden zu sein. Trotzdem machten wir uns auf die Socken. Die ersten etwa 15km waren noch fahrbar, obwohl der Wind immer weiter zulegte. Dann war Schluss, wir schoben unsere Velos durch einen ausgewachsenen Staubsturm, Sicht ein paar Meter und bei jedem Sattelschlepper der vorbeipreschte die Angst von der Druckwelle von der Strasse gefegt zu werden. Zum Glück hatten wir vor ein paar Tagen Atemschutzmasken besorgt, sonst wäre es wirklich prekär geworden. Nach ein paar Stunden schieben, versuchten wir es mit Autostop, keine einfache Sache, wenn man zwei vollgepackte Reiseräder dabei hat. Zum Glück wurden wir dann aber doch noch von vier Uiguren in einem Lieferwägeli mitgenommen. Es war sehr eng und die Sitze nicht gepolstert, aber hauptsache raus aus dem Sturm. Noch lange tobten Staub und Sand ums Auto, doch dann ging es in ein wunderschönes Gebirgstal und einem Fluesslein entlang immer weiter rauf und rauf. Auf knapp 3600m war die Passhöhe erreicht und es ging ins nächste Wüstenbecken runter. So gegen zehn Uhr abends standen wir in Huatugou und waren dank der hilfsbereiten Uiguren260km weiter gekommen – wer hätte das am Mittag im Sturm noch gedacht…

Am nächsten Morgen also wieder voll Tatendrang aufs Velo – bald zeigte sich aber, dass mein Darm bedeutend mehr Drang hatte als die Beine. Nach etwa 50km war Schluss, ich schaffte es kaum noch die Heringe in den Boden zu schlagen. Alle Flüssigkeit verliess mich mit Hochdruck am falschen Ort während der Körper nach Wasser lechzte. Am Folgetag musste wieder pausiert werden, meine Innereien wollten partout nicht weiter reisen. Da in etwa 50km das nächste Städtchen sein sollte, gingen wir recht grosszügig mit dem Wasser um, trinken soll ja bei der Gesundung helfen. Nach einem Tag warten und sch*** ging es dann wieder auf die Piste. Leider erwies sich die erhoffte Ortschaft mal wieder als freie Erfindung des Kartenzeichners und so mussten wir mit nur noch einem kleinen Rest Wasser in die Chaidamu Pendi starten. Dank Rückenwind und hervorragendem Strassenbelag kamen wir recht gut vorwärts. Allerdings nach etwa 75km war bei mir mal wieder die Luft, oder vielleicht eher die Flüssigkeit draussen. Also eine Kiesgrube gesucht und gezeltet. Dies stellt jeden Abend eine veritable Herausforderung dar. Oft sind die Boeden so kompakt, dass man kaum einen Nagel einschlagen kann, oder dann bestehen sie nur aus feinem Sand oder Staub. Trotzdem muss das Zelt jeden Abend möglichst sturmsicher verankert werden, oft geht dafür fast eine Stunde drauf. Aber die Winde hier sind nicht ohne und einen Verlust des Zelts oder der Ausrüstung würde uns zum Abbruch der Reise zwingen.‘

Wie heisst es so schön? Wenn zwei eine Reise tun dann haben sie was zu erzählen. Vielen Dank an Sandra und Joseph.

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